Fachliches

Das Normalisierungsprinzip

In der Stiftung Birkenhof Berg werden die KlientInnen nach anerkannten agogischen Erkenntnissen begleitet und gefördert. Insbesondere das Normalisierungsprinzip, wie es Wolf Wolfensberger ausgearbeitet hat, weist eine hohe wissenschaftliche Fundierung auf.

Das Konzept richtet sich an Menschen, die bereits von sozialer Abwertung betroffen oder davon gefährdet sind, also auch an Menschen mit einer geistigen Behinderung, respektive deren Umfeld (vgl. Wolfensberger, Thomas & Caruso, 1996).

Wir begleiten und fördern unsere KlientInnen nach dem Normalisierungs-Prinzip.

Auszug aus dem Leitbild der Stiftung Birkenhof Berg

Normalisierungs-Prinzip nach Bank-Mikkelsen und Nirje

Der Normalisierungsgedanke wurde in den 1950er Jahren vom Dänen Bank-Mikkelsen entwickelt. Auf eine Kurzform gebracht, besagt er, dass geistig behinderte Menschen ein Leben „so normal wie möglich führen“  können sollen (vgl. Ericsson, 1986, S. 143).

 

Weit verbreitet ist im deutschsprachigen Raum die erste Auffächerung des Schweden Nirje von 1969 (erste deutsche Version 1974) in einen Acht-Punkte-Katalog.  Nirje selbst hat, in je unterschiedlichen Akzentuierungen, diese von ihm so genannten Dimensionen immer wieder, im Großen und Ganzen unverändert verbreitet und sie werden bis heute „von nicht Wenigen, jede Weiterentwicklung des Reformkonzepts negierend, als die zentralen Themen des Normalisierungsprinzips angesehen“ (vgl. Thimm, 2008, S. 8; Wolfensberger, Thomas & Caruso, 1996).

Diese sind:

  • Normaler Tagesrhythmus
  • Trennung von Arbeit-Freizeit-Wohnen
  • Normaler Jahresrhythmus
  • Normale Erfahrungen im Ablauf des Lebenszyklus
  • Normalen Respekt vor dem Individuum und dessen Recht auf Selbstbestimmung
  • Normale ökonomische Lebensmuster und Rechte im Rahmen gesellschaftlicher Gegebenheiten
  • Normale Umweltmuster und -Standards innerhalb der Gemeinschaft

(vgl. Nirje, 1994, S. 13)

Normalisierungs-Prinzip nach Wolfensberger

Eher selten ist in Mitteleuropa auf die Weiterentwicklung des Normalisierungsprinzips durch Wolf Wolfensberger zurückgegriffen worden (vgl. Thimm, 2008, S. 8). Wolfensberger kam zum Schluss, dass Menschen ihre Mitmenschen fortlaufend bewerten. Wie diese Wertungen ausfallen, hängt eng damit zusammen, welche sozialen Rollen die bewerteten Menschen innehaben. Die Grundannahme besteht darin, dass Menschen, die gesellschaftlich anerkannte Rollen innehaben, mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit „die guten Dinge im Leben“ wiederfahren als Menschen, die keine anerkannten Rollen innehaben (vgl. Wolfensberger, Thomas & Caruso, 1996).

 

Zu „den guten Dingen im Leben“ zählen beispielsweise:

  • Respekt
  • Akzeptanz
  • Zugehörigkeitsgefühl
  • Bildung
  • Entwicklung der eigenen Fähigkeiten
  • Mitsprache
  • Teilhabe
  • Ein mindestens durchschnittlicher materieller Lebensstandard

(vgl. ebd.)

 

Bedauerlicherweise ist es so, dass Menschen mit Behinderung oft nachteilige Rollen zugeschrieben bekommen, da sie in vielen Aspekten nicht den Erwartungen unserer Leistungsgesellschaft entsprechen. In der Folge werden sie häufig abgewertet, was leider dazu führt, dass ihnen der Zugang zu den angenehmen Dingen des Lebens verwehrt wird (vgl. Wolfensberger, 2008, S. 171 f.).

 

Das Ziel des als Normalisierungsprinzip bezeichneten Konzepts liegt folglich darin, benachteiligten Menschen den Zugang zu sozial anerkannten Rollen zu ermöglichen. Wird einem Menschen erst einmal eine anerkannte Rolle zugestanden, sind eine positivere Bewertung seiner ganzen Person und dadurch eine freundlichere Behandlung und vielfältige Chancen die Folge (vgl. Wolfensberger, 1991, S. 53).

 

Beispiele für positiv bewertete Rollen sind (ebd., S. 77 ff.):

  • Sportler
  • Gemeindemitglied
  • Nachbar
  • Schüler/Lernender
  • Mensch mit (IV) Ausbildung
  • Arbeitender Mensch
  • Kunde
  • Ehemann/Ehefrau
  • Verwandter

Betrachtet man diese beispielhafte Aufzählung, so fällt auf, dass es viele positiv besetzte Rollen gibt, die nicht eine hohe (kognitive) Leistungsfähigkeit oder sogar Erwerbsarbeit als Voraussetzung haben (ebd.). Viele der genannten Rollen können auch geistig behinderte Menschen in einem institutionellen Kontext einnehmen. Die Aufgabe der professionellen Betreuungspersonen besteht folglich darin, den KlientInnen durch geeignete Massnahmen zu solchen Rollen zu verhelfen bzw. ihnen zu ermöglichen solche Rollen in einem gesellschaftlich anerkannten Sinn auszufüllen.

 

Diese Erkentnisse stellen eine derartig bedeutende Weiterentwicklung des bisherigen Normalisierungsprinzips dar und sind so zentral für Wolfensbergers Ausarbeitungen, dass er ihnen schliesslich sogar einen anderen Namen gab (vgl. Osburn, 2006, S. 8 f.). Ein weiterer Grund ist, dass ihm der Begriff Normalisierungsprinzip mit zu vielen Missverständnissen verbunden war. Daher entschied er sich stattdessen für den Begriff „Social Role Valorization“ (vgl. Thimm et al., 2008, S. 97).

Im Folgenden soll dennoch weiterhin von Normalisierungsprinzip die Rede sein, da sowohl der englische Originalbegriff „Social Role Valorization“, als auch seine deutsche Übersetzung „Aufwertung der sozialen Rollen“ hierzulande einen geringen Bekanntheitsgrad haben.

Die Aufwertung der sozialen Rolle - Umsetzung

Die Aufwertung und Erhaltung der sozialen Rolle kann vor allem auf zwei Wegen geschehen: über die Aufwertung des Ansehens und die Aufwertung der Kompetenz (vgl. Wolfensberger, 1991, S. 55 ff.).

 

Das (soziale) Ansehen besteht aus den Vorstellungen, die sich andere von dieser Person oder Gruppe machen. Dieses Bild von anderen wird durch viele Eindrücke beeinflusst: Man hört, wie die Person angeredet wird, wie sie aussieht, wie sie sich kleidet und gepflegt ist, mit wem sie sich umgibt und was sie tut (vgl. Wolfensberger, 1986, S. 173).

 

Die zweite Vorgehensweise bezieht sich auf die Aufwertung und/oder Erhaltung der tatsächlichen Kompetenz einer Person oder Gruppe, das heisst auf ihre Fähigkeiten und Gewohnheiten. Ein hohes Mass an Kompetenz wird beispielweise ausgedrückt durch Höflichkeit, Geduld, emotionale Ausgeglichenheit, Lesen-Können, verbales Ausdrucksvermögen, Selbsthilfefähigkeiten sowie eine Vielzahl spezieller Fertigkeiten (ebd.).

 

Im Folgenden ergeben sich Handlungsmöglichkeiten auf drei Ebenen. Es kann innerhalb der Ebenen jeweils in Aktionen unterschieden werden, die in erster Linie der Aufwertung des sozialen Ansehens dienen und in solche, die in erster Linie den Ausbau oder Erhalt der Kompetenz unterstützen sollen (vgl. Wolfensberger, 1991, S. 72 ff.).

 

Folgende Bedingungen auf den 3 Ebenen fördern die Aufwertung der sozialen Rolle der KlientInnen und sind daher anzustreben.

 

Ebene 1: Individuum
(die einzelne Person mit geistiger Behinderung)

Ansehen: Normalisierung bezieht sich auf die Art und Weise, wie der einzelne behinderte Mensch sich der Umwelt präsentieren kann

  • Altersgemässe und der jeweiligen Kultur entsprechende persönliche Zurechtmachung und Kleidung, Anrede der Person, persönlicher Besitz, Rechte und Tätigkeiten
  • Begünstigung herausfordernder Rollenerwartungen und angesehener sozialer Rollen
  • Verleihung weiterer angesehener persönlicher Symbole

Kompetenz: Normalisierung bezieht sich auf den Auf- und Ausbau von Fertigkeiten und Umgangsformen

  • Genaue Aufstellung der Bedürfnisse des Individuums
  • Gezielte Programme zum Kompetenzerwerb
  • Abstimmung der Programme auf das Individuum
  • Vorbeugung/Behebung von Einschränkungen
  • Sicherstellung des Ortes und der Beziehungen
  • Schulung in Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin
  • Bereicherung der Erfahrungswelt
  • Ausweitung angemessener Selbstständigkeit und Rechte
  • Ermöglichung anpassungsfähiger, die Befähigung fördernder sozialer Rollen

 

Ebene 2: Primäre und sekundäre soziale Systeme
(soziale Gruppen, Institutionen und Organisationen in denen der behinderte Mensch lebt oder die für ihn wichtig sind wie z.B. Familie, Nachbarschaft, Gemeinde, soziale Einrichtung etc.)

Ansehen: Normalisierung bezieht sich darauf, wie diese sozialen Systeme der Öffentlichkeit präsentiert werden

  • Altersgemässe und der jeweiligen Kultur entsprechende Tätigkeiten/Zeitbenützungen/Routinen, Namen der Programme und Einrichtungen/Gruppierungen
  • Verbesserung des Standortes und Aussehens der Einrichtungen
  • Sozialarbeitende mit positivem Image
  • Verbesserte Gruppierung, Kontakt zu höher bzw. weniger negativ eingestuften Menschen

Kompetenz: Die Systeme sind so zu gestalten, dass sie die Entwicklung von normalen Fähigkeiten und Gewohnheiten ermöglichen

  • Die Nähe von Einrichtungen zu Klienten und deren Familien, Bevölkerungs- und Einkaufszentren
  • Leichter Zugang für Klienten und Öffentlichkeit zur und von der Einrichtung weg
  • Auflockerung und nicht Konzentrierung der Gruppierungen und Sozialeinrichtungen
  • Gruppierungen, welche die Förderung der Befähigung bezwecken
  • Gruppierung mit Menschen, die schon weiteren Fortschritt gemacht haben
  • Kompetente Sozialarbeitende und anderes Personal

 

Ebene 3: Gesellschaftssystem
(große Systeme wie Schulsystem, sozialpolitisches System, Gesetzgebung, Verwaltungsstruktur,…)

Ansehen: Beeinflussung gesellschaftlicher Wertvorstellungen, um den Spielraum für die gesellschaftliche Anerkennung von „Abweichung“ so groß wie möglich zu gestalten

  • Schaffung von Vorbildern der positiven Verhaltensweisen gegenüber und Wechselbeziehungen zu negativ eingestuften Menschen
  • Geregelte und ausreichende finanzielle Unterhaltung der sozialen Einrichtungen

Kompetenz: Die Systeme sind so zu gestalten, dass sie die Entwicklung und Erhaltung normaler Fähigkeiten bei behinderten Menschen ermöglichen und unterstützen

  • Gesetze gegen Diskriminierung
  • Zugang zu öffentlichen Einrichtungen ermöglichen
  • Angepasste Ausbildungsstrukturen für Sozialarbeitende
  • Verständigung zwischen den Einrichtungen über eine gelungene Praxis

(vgl. Wolfensberger, 1991, S. 72 ff.)

 

Ansehen und Kompetenz wirken wechselseitig aufeinander ein. Kompetente Menschen werden tendenziell positiver gesehen und haben ein höheres Ansehen. Durch dieses erhalten sie mehr Zuneigung und Chancen, welche, sofern sie genutzt werden, wiederum zu mehr Kompetenz führen. Ein hohes Ansehen und hohe Kompetenzen in einzelnen Bereichen können sogar Bereiche vergessen machen, in denen weniger Kompetenzen vorhanden sind (ebd., S. 83 ff.).

Wolfensberger vertritt die Auffassung, dass die Aufwertung des Ansehens noch wichtiger ist als die der Kompetenz, „weil wir von unserer inneren Vorstellung über eine Person stärker beeinflusst werden als von ihrem tatsächlichen Wesen“ (vgl. Wolfensberger 1986, S. 173; Wolfensberger, 1991, S. 71).

Er weist auch darauf hin, dass regelmässig Situationen entstehen, in denen sich die möglichen Massnahmen zur Aufwertung der Rolle widersprechen. In diesem Fall ist die Variante zu wählen, die unmittelbar zu einer Rollenaufwertung führt. Dies geschieht in der Regel durch die Aufwertung des Ansehens (vgl. Wolfensberger, 1991, S. 75).

Schnittstellen zu anderen Fachkonzepten

Das Normalisierungsprinzip, wie es Wolfensberger weiterentwickelt hat, weist Verbindungen, aber auch Unterschiede zu anderen wichtigen Ideen und Konzepten der heutigen Sozial- und Heilpädagogik auf. Beispielhaft sollen diese im Folgenden für die Begriffe „Integration“ und „Empowerment“ aufgezeigt werden.

 

Normalisierungsprinzip und Integration

Die Integration von Menschen mit Behinderung stellt ein zentrales Anliegen des Normalisierungsprinzips dar und ist in dessen Richtlinien zur Umsetzung eingebettet.

Die physische Integration entsteht durch den direkten Kontakt zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung und lässt sich bereits durch einen gemeindenahen Wohnort gewährleisten. Die funktionale Integration bezieht sich auf die Teilnahme der KlientInnen am öffentlichen Leben. Eine ganzheitliche Integration (oder sogar Inklusion) von Menschen mit Behinderung geschieht jedoch nur dann, wenn auch eine soziale Integration erfolgt (vgl. Grunewald, 1986; GIN, 2016). Diese ist wiederum nur möglich, wenn die KlientInnen in der Lage sind, wenigstens in Teilen den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen, indem sie positiv gewertete Rollen einnehmen. Es handelt sich dabei nicht etwa um eine einseitige Anpassung der behinderten Menschen, sondern stets auch um ein Umdenken bei anderen Mitgliedern der Gesellschaft (vgl. Thimm, 2008, S. 25, 107). In den primären und sekundären sozialen Systemen (Rollenaufwertung Ebene 2) sowie in der Gesellschaft als Ganzes (Rollenaufwertung Ebene 3) braucht es Offenheit und Akzeptanz für Andersartigkeit (vgl. Wolfensberger, 1991, S. 72 ff.).

 

Normalisierungsprinzip und Empowerment

Es bestehen auch durchaus Verbindungen zwischen dem Ansatz des Empowerment („Selbstermächtigung“) und dem Normalisierungsprinzip nach Wolfensberger. Jedoch müssen hier ebenso Abgrenzungen vorgenommen werden.

Beiden Konzepten gemeinsam ist, dass den KlientInnen ein Umfeld geboten wird, das sie ihren Ressourcen entsprechend fordert und fördert und an dem sie wachsen können. Es wird ihnen ermöglicht, sich innerhalb anerkannter, ihren jeweiligen Stärken entsprechender Rollen (anstelle von Defizit-Zuschreibungen) weiterzuentwickeln (vgl. Galuske, 2009, S. 261 f.; Wolfensberger, 1991).

Wenn die KlientInnen in der Lage sind, sich kompetent innerhalb dieser anerkannten Rollen zu bewegen, werden sie von der Gesellschaft sowie ihrem Umfeld positiv bewertet. Es werden ihnen automatisch mehr Rechte zugestanden, da sie offensichtlich in der Lage sind, den vorhandenen Freiraum verantwortungsvoll zu nutzen. Sie erhalten dadurch zunehmend die Möglichkeit eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen und ein selbstbestimmteres Leben zu führen. So sind die KlientInnen durch den Erwerb von Ansehen und Kompetenz sowie das damit verbundene Selbstvertrauen in der Lage grösseren Einfluss auf die Gestaltung ihres Lebens zu nehmen. Sie sind in der Lage unabhängiger von Unterstützung zu werden und erfahren „Selbstermächtigung“.

Unterschiede zum Normalisierungsprinzip nach Wolfensberger liegen jedoch in der mangelnden wissenschaftlichen Fundierung des Empowerment-Ansatzes sowie in der fehlenden Überführung in ein methodisch akzentuiertes Vorgehen (vgl. Galuske, 2009, 262 ff.). Nach Stark (vgl. 1996, S. 39, 159) repräsentiert Empowerment „eher eine professionelle Haltung“, respektive eine „Haltung sozialen Handelns“.

Theunissen nennt beispielsweise 5 Leitlinien, an denen sich die Empowerment-Praxis massgeblich orientieren soll: Zusammenarbeit, Stärkenperspektive, Subjektzentrierung, Kontextorientierung sowie Solidarische Professionalität und Parteinahme (vgl. Theunissen, 2009, S. 67 ff.). Die praktische Umsetzung dieser Leitlinien bleibt jedoch, trotz Theunissens Erläuterungen, letztlich vage.

Wolfensberger  hingegen liefert für das Normalisierungsprinzip einen Katalog mit konkreten Bedingungen (vgl. 1991, S. 72 ff.; vgl. auch Wolfensberger & Thomas, 1983: PASSING), welche zu einer Aufwertung der sozialen Rolle führen. Mit diesem legt er die Basis für ein methodisches Vorgehen, welches KlientInnen Sozialer Arbeit hilft, anerkannte soziale Rollen einzunehmen und auszufüllen.  Durch diese konsequent auf die praktische Umsetzung ausgerichtete Konzeption Wolfensbergers ergeben sich, insbesondere in Bezug auf die Rolle der professionellen Begleitpersonen, andere Schwerpunkte.

So wird  im Empowerment (fast) ausschliesslich auf die Selbststeuerungskräfte der KlientInnen vertraut. Die Rolle der professionellen Begleitpersonen wird (selbst im transitiven Zugang; vgl. Theunissen, 2009) als weniger wichtig angesehen. Die Sprache ist dabei „weitgehend geprägt von einem Bild des autonomen und erfolgreichen Individuums, das in der Lage ist, seine Interessen und Vorstellungen gemeinsam mit anderen zu verfolgen“ (Stark, 1996) . Dies ist nach Galuske (2009) insofern als problematisch anzusehen, dass es für viele Handlungsfelder der Sozialen Arbeit gerade typisch ist, „dass nicht zweifelsfrei davon ausgegangen werden kann, dass es sich bei den Klienten um starke, autonome und erfolgreiche Individuen handelt“. Es ist zwar wichtig, jederzeit davon auszugehen, dass die begleiteten Menschen sich zu solchen starken und autonomen Individuen entwickeln können und ihnen diese Entwicklung auch zuzutrauen. Dennoch braucht es hierzu meist (zunächst einmal) eine Unterstützung von aussen.

Im Normalisierungsprinzip nach Wolfensberger kommt den professionellen BegleiterInnen daher eine wichtige Rolle zu. Es bleibt nicht auf der Haltungsebene stehen, sondern bietet strukturierte Hilfen zur Gestaltung einer solchen sozialpädagogischen Praxis, welche ihren KlientInnen, sofern sie dies möchten, zu mehr Kompetenzen und Ansehen verhilft.

Literaturverzeichnis

Galuske, Michael (2009). Methoden der Sozialen Arbeit. Eine Einführung (8. Aufl.) ( S. 261 – 267). Weinheim: Juventa.

 

Gemeinwesenintegration und Normalisierung GIN. Assistenz und Begleitung für Menschen mit intellektueller und mehrfacher Behinderunng. Grundsätze: Integration. Aufgerufen am 5.11.16 unter http://www.gin.at/ueber-uns/grundsaetze

 

Grunewald, K. (1986). Normalization and integration of persons with mental retardation in Sweden today. Stockholm: NBoHW.

 

Ericsson, Kent (1986). Der Normalisierungsgedanke – Entstehung und Erfahrungen in skandinavischen Ländern. In: W. Thimm (Hrsg.) (2008), Das Normalisierungsprinzip – Ein Lesebuch zu Geschichte und Gegenwart eines Reformkonzepts (S. 141 – 152). Marburg: Lebenshilfe.

 

Nirje, Bengt (1994). Das Normalisierungsprinzip – 25 Jahre danach. In: Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete 1, 1994, Seiten 12 – 32.

 

Osburn, J. (2006). An overview of Social Role Valorization Theory. In: The SRV Journal, 1 (1), 4 – 13.

 

Stark, Wolfgang (1996):Empowerment. Neue Handlungskompetenzen in der psychosozialen Praxis. Freiburg i.B.: Lambertus.

 

Thimm, Walter (Hrsg.) (2008). Das Normalisierungsprinzip. Ein Lesebuch zu Geschichte und Gegenwart eines Reformkonzepts. Marburg: Lebenshilfe.

 

Thimm, Walter; v. Ferber, Christian; Schiller, Burkhard; Wedekind, Rainer (1985). Das Normalisierungsprinzip – eine Einführung. In: W. Thimm (Hrsg.) (2008), Das Normalisierungsprinzip – Ein Lesebuch zu Geschichte und Gegenwart eines Reformkonzepts (S. 109 – 135). Marburg: Lebenshilfe.

 

Thimm, Walter (1979). Das Normalisierungsprinzip – eine Einführung. In: W. Thimm (Hrsg.) (2008), Das Normalisierungsprinzip – Ein Lesebuch zu Geschichte und Gegenwart eines Reformkonzepts (S. 12 – 31). Marburg: Lebenshilfe.

 

Theunissen, Georg (2009). Empowerment und Inklusion behinderter Menschen – Eine Einführung in Heilpädagogik und Soziale Arbeit (2. Auflage). Freiburg: Lambertus.

 

Thomas, Susan (1999). Historical Background and evolution of Normalization-related and Social Role Valorization-related training. In: R. J. Flynn; R. A. Lemay (Eds.), A Quarter-Century of Normalization and Social Role Valorization: Evolution and Impact. Ottawa: UOPRESS.

 

Wolfensberger, Wolf (1986). Die Entwicklung des Normalisierungsgedankens in den USA und Kanada. In: W. Thimm (Hrsg.) (2008), Das Normalisierungsprinzip – Ein Lesebuch zu Geschichte und Gegenwart eines Reformkonzepts (S. 168 – 186). Marburg: Lebenshilfe.

 

Wolfensberger, Wolf (1991). Die Bewertung der sozialen Rollen. Eine kurze Einführung zur Bewertung der sozialen Rollen als Grundbegriff beim Aufbau von Sozialdiensten. Genf: Editions.

 

Wolfensberger, W., Thomas, S. & Caruso, G. (1996). Some oft he universal good things in life which the implementation of Social Role Valorization can be expected to make more accessible to devalued people. In: The Internaional Social Role Valorization Journal, 2 (2), 12-14. Genf: Editions.

 

Wolfensberger, W. & Thomas S. (1983). PASSING (Program Analysis of Service Systems Implementation of Normalization Goals): Normalization and ratings manual (2nd ed.). Downsview: National Institute on Mental Retardation.

Gesundheitsförderung

Die Stiftung Birkenhof Berg legt grossen Wert auf die Förderung der Gesundheit ihrer KlientInnen. Genügend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, aber auch Entspannung und Begegnung sind Grundvoraussetzungen für Gesundheit und damit für Lebensqualität.

 

Wir setzen uns jedoch, auch über die Grenzen der eigenen Stiftung hinaus, für die Gesundheitsförderung von Menschen mit einer geistigen Behinderung ein. So haben wir eine Website erstellt, die andere Institutionen dabei unterstützen soll, gesundheitsfördernde Projekte zu planen und umzusetzen:

 

Im Jahr 2016 haben KlientInnen und Angestellte gemeinsam am Meingleichgewicht-Award von Migros Kulturprozent teilgenommen. Dabei werden schweizweit Institutionen ausgezeichnet, welche eine herausragende Gesundheitsförderung für Ihre KlientInnen betreiben.

 

Die Preisverleihung fand im Januar 2017 statt und wir freuen uns, dass wir mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurden.

Die Stiftung Birkenhof Berg legt grossen Wert auf die Förderung der Gesundheit ihrer KlientInnen.

Aljoscha Nyima, Institutionsleiter

Adresse und Kontakt

Stiftung Birkenhof Berg
Birkenweg 7
8471 Berg (Dägerlen)

+41 52 305 12 40